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Wirtschaft

28.12.2017 - Artikel

Stand: Dezember 2017

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Frankreich ist neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas und die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt. Die französische Wirtschaft ist modern und breit aufgestellt und steht unter starkem Einfluss der staatlichen Wirtschafts- und Industriepolitik. Das staatliche Engagement zeigt sich unter anderem bei der Unterstützung der industriellen Entwicklung, der Förderung von Innovation und Forschung, sowie bei der direkten Beteiligung des Staates an zahlreichen Unternehmen (État actionnaire).

Die wichtigsten Leistungsträger der französischen Wirtschaft und des Außenhandels sind die Großunternehmen des Börsenindex CAC 40, die international erfolgreich und auch für ausländische Investoren interessant sind. Über 50 Prozent der CAC 40-Unternehmensanteile befinden sich in ausländischem Besitz. Der Sektor der kleinen und mittelständischen Unternehmen ist trotz großer politischer Anstrengungen im Vergleich zu Deutschland sowohl in seiner Gesamtzahl an Unternehmen, als auch hinsichtlich deren internationaler Wettbewerbsfähigkeit weniger präsent.

Besondere Stärken der französischen Wirtschaft liegen in Dienstleistungen, insbesondere Banken, Versicherungen, IT-Dienste und Tourismus, sowie in den Branchen Luftfahrt, Automobile, Energie, Luxusartikel, pharmazeutische Produkte, Chemie, Elektronik, Landwirtschaft und Ernährung.

Die neue Regierung unter Staatspräsident Macron unterzieht die Wirtschaft und den Arbeitsmarkt grundlegenden Reformen, u.a.  Steuererleichterungen für Unternehmen und private Haushalte  sowie Maßnahmen  zur Flexibilisierung des  Arbeitsmarktes. Schon sein Vorgänger Hollande hatte hierfür Grundlagen gelegt und Vereinfachungen des Arbeitsrechts sowie Deregulierungen bestimmter Berufsgruppen und Ladenöffnungszeiten in Angriff genommen. Auch auf europäischer Ebene drängt Macron auf Reformen und fordert unter anderem einen gemeinsamen Haushalt für die Eurozone und eine EU-Asylbehörde.

Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum wird laut aktueller Prognose des nationalen Statistikamtes (INSEE) im Jahr 2017 bei  1,9 Prozent liegen. Die Erwerbslosenquote ist zuletzt leicht zurückgegangen und lag im Oktober 2017 bei rund 9,4 Prozent, bei den unter 25-jährigen sogar bei 22 Prozent. Insgesamt waren zu diesem Zeitpunkt etwa 3,5 Millionen Personen arbeitslos.

Das Haushaltsdefizit konnte in den vergangenen Jahren stetig gesenkt werden. Die aktuelle Haushaltsplanung der Regierung sieht vor, dass  2017 die Euro-Stabilitätspaktgrenze einer Neuverschuldung von maximal 3 Prozent des BIP wieder knapp unterschritten wird.

Das Außenhandelsdefizit betrug 2016 rund 48 Milliarden Euro, bei Erwartung eines Anstiegs des Defizits für 2017. Die stärksten Exportbranchen sind Kfz-Zuliefer- und die pharmazeutische Industrie, die Hochtechnologie der Luft- und Raumfahrt, sowie die Branche der Luxusgüter, (insbesondere Textilien, Accessoires und Kosmetik) und Agrarprodukte (insbesondere Molkereiprodukte und Delikatessen).

Deutschland war auch 2017 mit einem Handelsvolumen von 167 Milliarden Euro wichtigster bilateraler Handelspartner für Frankreich (16,8 Prozent des gesamten Handels), gefolgt von Belgien, Italien, Spanien, den USA und China.

Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit. Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung, aber auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil deutlich über dem Niveau anderer europäischer Staaten.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitsmarktregelungen sind die 35-Stunden-Woche und der allgemeine Mindestlohn SMIC (seit 1. Januar 2017: 9,76 Euro brutto pro Stunde, d.h. ein Bruttomonatslohn von 1.480,27 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden). Das Wiedereingliederungseinkommen RSA (Revenu de Solidarité Active) für Bedürftige im Falle von Langzeitarbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird unter bestimmten Voraussetzungen auch jungen Erwerbslosen unter 25 Jahren gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden.

Familienpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die demografische Entwicklung Frankreichs ist im Vergleich zu Deutschland günstig. Die Geburtenziffer lag 2016 bei 1,96 Kinder/Frau. Regelungen zum Erziehungsurlaub und ein Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Betreuungsmöglichkeiten werden für Kinder ab drei Monaten angeboten. Kleinkinder können in kommunalen Kinderkrippen, privaten Einrichtungen oder durch Tagesmütter betreut werden. 3-bis 5-jährige Kinder werden in Vorschulkindergärten (École maternelle) betreut und dort bereits auf die Schule vorbereitet. In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen gibt es ganztägigen Unterricht bzw. Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

Die Förderung von Familien erfolgt durch Geldleistungen und steuerliche Entlastungen. Die Palette der Familienleistungen umfasst neben Leistungen für alle Familien zahlreiche einkommensabhängige Beihilfen. Das allgemeine monatliche Kindergeld wird einkommensabhängig allen Familien erst ab dem zweiten Kind gezahlt. Auch die Geburtsprämie, das Kleinkindergeld, Leistungen für Familien mit drei und mehr Kindern sowie Zusatzleistungen für Betreuungskosten sind einkommensabhängig.

Agrarsektor

Die Agrarpolitik ist traditionell für Frankreich von großer Bedeutung und erfährt anhaltendes Interesse seitens der französischen Öffentlichkeit. Mit rund 725.000 Beschäftigten in rund 515.000 Betrieben ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor Frankreichs. Insgesamt trugen die Land- und Ernährungswirtschaft im Jahr 2017 rund 2,8 Prozent des Bruttoinlandsproduktes bei.

Ungeachtet ihrer Stärken hat die französische Landwirtschaft in wichtigen Bereichen wie Fleisch, Obst und Gemüse in den letzten Jahren Marktanteile im Inland und auf Exportmärkten verloren. Diese Tendenzen offenbaren Wettbewerbsprobleme, die insbesondere Strukturen der Schlachtung und Verarbeitung betreffen.

Ziel der Regierung ist daher eine Reform des französischen Agrarsektors. Die Leitlinien einer Neujustierung wurden bis Ende 2017 in einem gesamtgesellschaftlichen Prozess mittels einer Reihe von Runden Tischen („États généraux“) erarbeitet. Als unabdingbar angesehen werden insbesondere Veränderungen in der Wertschöpfungskette zugunsten der Produzenten sowie eine Modernisierung und Umstrukturierung der gesamten Agrar- und Ernährungswirtschaft, die sich mehr auf den Verbraucher und die Rückeroberung von Exportanteilen ausrichten soll. Die Regierung erwartet aus dem Reformprozess schließlich eine deutliche Stärkung Frankreichs in den Verhandlungen zur Gemeinsamen Agrarpolitik nach 2020, durch die die EU ihre Landwirte weniger belasten und besser schützen müsse.

Einen Schwerpunkt bildet weiterhin die bessere Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft. Unter dem Begriff der Agroökologie wurde bereits unter dem früheren Landwirtschaftsminister Le Foll ein landesweiter Aktionsplan zur Anpassung von Ausbildung, Beratung, Forschung und Förderanreizen gestartet, der weitergeführt wird.

Verkehrswesen

Die französische Infrastruktur befindet sich in einem guten Zustand und ist in Ballungsgebieten und industriellen Zentren sehr gut ausgebaut. Frankreich verfügt über ein weit verzweigtes, qualitativ hervorragendes Fernstraßennetz, welches zu großen Teilen privat finanziert wird. In Folge diverser Abgasskandale wurden 2016 erstmals weniger als 50 Prozent der Neufahrzeuge mit Dieselmotoren zugelassen, wenngleich der Gesamtbestand an Dieselfahrzeugen mit deutlich über 50% Prozent aller Fahrzeuge vergleichsweise hoch ist. Bei der Elektromobilität hält die Regierung an dem ehrgeizigen Ziel, bis 2020 2 Millionen Elektrofahrzeuge in Betrieb zu nehmen, fest und unterstützt den Kauf von Neufahrzeugen massiv.

Das französische Netz von Hochgeschwindigkeitszügen ist das am besten ausgebaute Europas und verbindet die wichtigsten Städte Frankreichs und seiner Nachbarländer in sehr konkurrenzfähigen Zeiten. In Frankreich wird der Schienenverkehr zu den strategischen Industrien gezählt.

Energie und Umwelt

Ziele französischer Energiepolitik sind eine sichere und  CO2-neutrale Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Frankreich setzt unverändert auf die Nutzung der Kernkraft, perspektivisch soll deren Anteil (2030-2035) von heute etwa 75 Prozent auf rund 50 Prozent der Stromerzeugung gesenkt werden.

Zwei Jahre nach Unterzeichnung des Klimaabkommens in Paris im Jahr 2015 präsentiert Präsident Macron Frankreich als eines der ambitioniertesten Länder für den Klimaschutz. Der französische Umweltminister Hulot hatte zuletzt eine Langzeitstrategie bekannt gegeben, nach der Frankreich bis Mitte der 2020er-Jahre aus der Stromerzeugung durch Kohlekraft aussteigen und massiv in erneuerbare Energien investieren wolle. Die Förderung von Öl und Gas in Frankreich soll bis 2040 beendet werden. Umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung und des CO2-Ausstoßes mit den Schwerpunkten Gebäudeenergieeffizienz, Verkehr, Schutz der Biodiversität, Abfallwirtschaft sowie ökologische Regierungsführung werden angestrebt.

Der  Umweltschutz wurde bereits 2005 als Staatsziel in die Verfassung aufgenommen, durch den aktuellen Plan Climat wird er zur verpflichtenden Aufgabe für alle Ressorts. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen erkannt.  Frankreich hat im Bereich Windenergie und Solarenergie 2017 gute Zuwachsraten zu verzeichnen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.

 

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