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Das Palais Beauharnais : Residenz der Botschafter

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Entdecken Sie hinter der prächtigen Fassade des Palais Beauharnais ein Universum in ständiger Erneuerung.

Eingangshalle und Treppe zum Obergeschoss © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Eingangshalle und Treppe zum Obergeschoss© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Das Palais Beauharnais, auf dem linken Seineufer gelegen, wurde ab 1713 durch Germain Boffrand (1667-1754) zusammen mit dem benachbarten Hôtel de Seignelay erbaut. Bevor das Haus in den Besitz des preußischen Königs kam, gehörte es drei berühmten Persönlichkeiten: Zunächst im Besitz von Jean-Baptiste Colbert de Torcy, einem Neffen des großen Ministers Ludwigs XIV., gehörte es dann dem Herzog von Villeroy. In der Revolution geplündert, wurde das Gebäude kurze Zeit nach der Schreckensherrschaft im Jahre 1796 von den Erben des Herzogs an zwei Spekulanten verkauft. In dieser Zeit wurde das Innere für den Weiterverkauf hergerichtet und anscheinend großzügig ausgestattet: Einzige heute bekannte Zeugen dieser Arbeiten sind drei großformatige Landschaftsgemälde von Hubert Robert (1733-1808), die ursprünglich den großen zentralen Salon in der ersten Etage zierten und von denen zwei in das Jahr 1797 datiert sind.

Eugène de Beauharnais / Stieler - Eugene de Beauharnais / Ptg.by Stieler -
Eugène de Beauharnais© picture alliance / akg-images

Ein geeigneter Käufer trat in der Person des gerade zwanzigjährigen Eugène de Beauharnais auf, der am 20. Mai 1803 das Haus erstand. Eugène (1783-1824) und seine Schwester Hortense (1783-1837) waren die Kinder von Joséphine de Beauharnais (1763-1814) und des 1793 unter der Guillotine gestorbenen Vicomte Alexandre de Beauharnais (1760-1793). Joséphine, zur Zeit des Ankaufs Ehefrau des Konsuls auf Lebenszeit, Napoleon Bonapartes (1769–1821), hatte für ihren Sohn eine standesgemäße Residenz in Paris gesucht. In der Nähe des Tuilerienpalastes liegend, erfüllte das großzügige Hôtel in idealer Weise alle Bedingungen, die sich an das Haus desjenigen stellten, der bis zur Geburt des Königs von Rom im Jahre 1811 als Thronfolger Napoleons gelten sollte.

In den Jahren 1803-1805 wurde das Haus unter der Aufsicht der Mutter und Schwester Eugènes im Inneren im eleganten, noch ganz dem Ancien Régime verpflichteten Stil der Konsulatszeit und des frühen Empire auf das Luxuriöseste ausgestattet. In der Raumaufteilung fanden punktuelle Veränderungen statt; dem Eingangsportal wurde ein „ägyptischer“ Portikus vorgestellt, der heute eines der wenigen Beispiele der noch existierenden ägyptisierenden Architektur darstellt, die sich in Folge des Ägyptenfeldzuges Napoleons von Frankreich aus in ganz Europa ausbreiteten. Dieser Portikus kann dem Architekten Jean Augustin Renard (1744-1807) zugeschrieben werden. Die ursprünglich zu jeder Seite der Treppe in den Nischen aufgestellten Figuren des Antinous aus türkisch blauem Marmor – Pierre-Nicolas Beauvallet (1750-1818) zugeschrieben - befinden sich heute im Musée Marmottan.
Prinz Eugène, seit 1804 Vizekönig von Italien, bewohnte seine Residenz nur bei wenigen kurzen Pariser Aufenthalten. Im Januar 1806 heiratete er auf Wunsch Napoleons die Tochter des bayerischen Königs, Auguste-Amalie (1788-1851). Um den Festlichkeiten einen entsprechenden Rahmen zu geben wurde Hortense von ihrer Mutter beauftragt, noch eiligst im Dezember 1805 einige Möbelstücke zur Komplettierung der Ausstattung der Residenz anzukaufen, auch wenn die Hochzeit letztendlich in München abgehalten wurde. Napoléon, über die horrenden Renovierungskosten des Palais sehr verärgert, entzog Eugène schon bald nach dessen Einsetzung als Vizekönig von Italien das Nutzungsrecht; für die wenigen Aufenthalte des neu vermählten Paares in Paris wurde ein Appartement im Pavillon de Flore des Louvre hergerichtet. Der Kaiser nutzte das Hotel als offizielles Gästehaus. Für die Hochzeit des Kaisers mit der österreichischen Erzherzogin Marie-Louise (1791–1847) am 2. April 1810 diente das Haus als stattliche Residenz für den Schwiegervater Eugènes, den bayerischen König und seine Familie. Nach dem Einmarsch der Alliierten in Paris okkupierte der preußische König Friedrich-Wilhelm III. (1770-1840) das Palais, um dann - nach dem Wiener Kongreß – das Gebäude offiziell vom Prinzen anzumieten. Eugène lebte nach dem Ende des Kaiserreiches in München im Exil, wo er unter dem Namen Herzog von Leuchtenberg und Fürst von Eichstätt bekannt war.

Das Mobiliar des Saals der Vier Jahreszeiten wird dem Kunsttischler Bellangé zugeschrieben © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Das Mobiliar des Saals der Vier Jahreszeiten wird dem Kunsttischler Bellangé zugeschrieben© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Zwischen 1816 und 1817 wurden Verhandlungen über den Verkauf des Palais geführt und am 6. Februar 1818 ging das Haus für rund 570 000 Francs in preußischen Besitz über. In der Verkaufsakte wurden für die Ouvrages de Luxe – die unter anderem die gemalte Innenausstattung, die mit Marmor eingelegten Fußböden und die in Mikromosaikgearbeiteten Kamine einschlossen – die Summe von 296.710 Francs veranschlagt, ein Betrag, der den ursprünglich für diese Arbeiten von Eugène geleisteten Zahlungen entspricht. Die Aufführung der Einzelposten ist bezeichnend für den Wert, der der kostbaren Innenausstattung auch 15 Jahre nach ihrer Fertigstellung immer noch beigemessen wurde.

Das Schlafzimmer der Königin Hortense. Die Schwester Eugènes de Beauharnais heiratete einen Bruder Napoleons und wurde Königin von Holland © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Das Schlafzimmer der Königin Hortense. Die Schwester Eugènes de Beauharnais heiratete einen Bruder Napoleons und wurde Königin von Holland© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Als Legation diente das Palais Beauharnais auch als Pariser Residenz des preußischen Königs. Zwischen 1824 und 1860 führte der aus Köln stammende Architekt Jacob-Ignaz Hittorf (1792-1867) die Aufsicht über die architektonischen Arbeiten und Veränderungen im Palais, seine ambitionierten Modernisierungsprojekte scheiterten allerdings an preußischer Sparsamkeit. Historische Persönlichkeiten wie Karl-Friedrich Schinkel, Bismarck – Botschafter im Jahre 1862 -, Richard Wagner, der auf Einladung der Gräfin Pourtalès im Palais wohnte, oder auch König Ludwig II. von Bayern und die Kaiserin Friedrich residierten bei ihren Aufenthalten in der französischen Hauptstadt im Palais Beauharnais. Erst mit der Reichsgründung 1871 wurde das Haus zum Sitz der Botschaft des Deutschen Reiches aufgewertet.

Das offizielle Büro, an dessen Empire-Schreibtisch bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Bismarck gearbeitet haben © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Das offizielle Büro, an dessen Empire-Schreibtisch bekannte Persönlichkeiten wie z.B. Bismarck gearbeitet haben© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde der deutsche Botschafter abberufen und das Gebäude – entsprechend den üblichen Gepflogenheiten – einer neutralen Macht anvertraut. So stand das Botschaftsgebäude während des Kriegs bis Februar 1917 unter dem Schutz der USA, nach Abbruch der Beziehungen der USA zu Deutschland sodann unter dem Schutz der Schweiz. Nach Ende des Ersten Weltkriegs wohnten ab Oktober 1919 Mitglieder der deutschen Friedensdelegation in dem Botschaftsgebäude. Mit der Übergabe des Beglaubigungsschreibens durch den Geschäftsträger Wilhelm Mayer am 30. Januar 1920 wurden die diplomatischen Beziehungen wieder aufgenommen und das Gebäude diente erneut als diplomatische Vertretung.

In den letzten Augusttagen des Jahres 1928 wohnte Gustav Stresemann anlässlich der Unterzeichnung des Kellogpaktes in der Botschaft. Er traf während dieser Zeit mit Aristide Briand zusammen, jedoch besuchte er ihn dazu im Quai d’Orsay.

Der grüne Salon © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Der grüne Salon© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Am 7. November 1938 schoss der jüdische Emigrant Herschel Grynszpan im Botschaftsgebäude auf den Legationssekretär Ernst vom Rath, der nach zwei Tagen an den Folgen der Verwundung starb. Das Attentat auf den Diplomaten wurde in Deutschland in der Nacht des 9. Novembers und in den darauf folgenden Tagen als Vorwand für brutale anti-jüdische Pogrome genutzt. Herschel Grynszpan wurde nach der Besetzung Frankreichs an Deutschland ausgeliefert. Er ist Ende 1942 in deutscher Haft ermordet worden.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde am 1. September 1939 der deutsche Botschafter erneut aus Paris abberufen. Während der deutschen Besatzungszeit von August 1940 bis August 1944 wurde das Palais Beauharnais unter Otto Abetz als Residenz genutzt. In Vichy unterhielt die Botschaft seit dem 15.11.1941 eine Zweigstelle unter der Leitung eines Gesandten. Im Jahre 1944 wurde das Palais konfisziert und zunächst als eine Außenstelle des französischen Auswärtigen Amtes genutzt, aus dieser Zeit datiert die Eintragung des Gebäudes als Monument historique (1951).

Das kleine Esszimmer und seine Sammlung an Mameluken-Gemälden © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Das kleine Esszimmer und seine Sammlung an Mameluken-Gemälden© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Anlässlich der Unterzeichung des deutsch- französischen Freundschaftsvertrages wurde das Palais vom Präsidenten Charles de Gaulle als Residenz des Botschafters an die junge Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben. Der offiziellen Einweihung des Palais als Residenz (1968) ging eine bedeutende, das gesamte Haus umfassende Restaurierungskampagne voraus. Dabei wurde das durch den sandigen Boden des Seineufers in seinen Fundamenten arg gefährdete Gebäude gesichert, indem man es auf einen Betonsockel stellte. Im Inneren wurden zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen durchgeführt. Angesichts der wechselhaften Geschichte der deutsch-französischen Beziehungen scheint es wie ein Wunder, daß sich die dekorierten Räume des Palais Beauharnais erhalten haben und mit einem großen Teil ihrer originalen, der Zeit Eugènes entspringenden Möblierung präsentieren. Die Kamine im Salon Cérise und im Schlafzimmer des Prinzen etwa zeigen Einlegearbeiten, die von dem italienischen Mosaikkünstlers Francesco Belloni (1772-1863) signiert sind. Im Palais arbeiteten viele hervorragende Künstler und Kunsthandwerker des Empire, wie die Kunsttischler Jacob-Desmalter und Pierre Marcion, oder die Bronzegießer Philippe Thomire, und Lucien François Feuchère.

Vierzig Jahre nach der Instandsetzung arbeiten Kunsthistoriker des Deutschen Forums für Kunstgeschichte jetzt unter der wissenschaftlichen Leitung von Prof. Dr. Hans Ottomeyer auf der Basis neu aufgefundener Dokumente und Inventare die Geschichte des Palais auf. Ihnen zur Seite stehen zahlreiche französische Kollegen wie auch die französische Denkmalpflege. Zunächst erfolgte eine komplette Inventarisierung des Palais. Die Restaurierung des Grünen Salons im Erdgeschoß des Palais konnte 2004 abgeschlossen werden; er wurde nach dem Verkaufsinventar des Prinzen an den preußischen König aus dem Jahr 1817 restauriert. Im Jahre 2005 wurde der Garten der Residenz eingeweiht; die Restaurierung erfolgte unter der Leitung des Gartenbaudirektors von Berlin, Herrn Klaus-Henning von Krosigk, nach dem Gartenplan, den vermutlich der schottische Gartenarchitekt Thomas Blakie anfertigte.

Die Fassade der Seite des Palais, die auf den Garten zeigt, wurde 1714 von dem Architekten Germain Boffrand gestaltet © Deutsche Botschaft/F. Brunet
Die Fassade der Seite des Palais, die auf den Garten zeigt, wurde 1714 von dem Architekten Germain Boffrand gestaltet© Deutsche Botschaft/F. Brunet

Über alle Gegensätze und politischen Auseinandersetzungen hinweg repräsentiert das Palais Beauharnais die Blüte des Stiles der Zeit des französischen Empire. Dieser wurde auch nach seinem Erwerb durch den preußischen König als Botschaft zunächst Preußens, später des Deutschen Reiches und heute der Bundesrepublik Deutschland stets respektiert. Die deutschen Eigentümer haben sich, trotz aller Veränderungen, bis in die Gegenwart hinein verpflichtet gefühlt, dieses bedeutende Erbe zu pflegen und zu bewahren. Auch heute noch ist das Palais ein Treffpunkt der Gesellschaft, der Ort, an dem Deutsche und Franzosen zusammenkommen.

(Thomas W. Gaehtgens, Ulrich Leben und Jörg Ebeling (Deutsches Forum für Kunstgeschichte, Paris)

BIBLIOGRAPHIE (Auswahl) :

Ulrich Leben und Jörg Ebeling, Le palais Beauharnais à Paris, in: Estampille / Objet d’Art, N° 400, März 2005, S. 68-81.

Thomas W. Gaehtgens, Ulrich Leben und Jörg Ebeling, Palais Beauharnais in Paris. Zur historischen Ausstattung, in: Jahrbuch Bau und Raum 2004, S. 82-91.

Klaus Henning von Krosigk, Der Garten des Palais Beauharnais, in: Jahrbuch Bau und Raum 2004, S. 92-95.

Gerhard Rühm, Palais Beauharnais in Paris, in: Jahrbuch Bau und Raum 2002 /2001, S. 122-131.

Bruno Pons, L’Hôtel de Beauharnais, in: Monuments historiques, N° 166, November-Dezember 1989, pp. 89-104.

Karl Hammer, Hotel Beauharnais Paris, Bd. 13 der „Beihefte der Francia“, München und Zürich 1983.

Klaus von Kameke, L’Hôtel de Beauharnais. La Residence de l’Ambassadeur d’Allemagne à Paris, Stuttgart 1968.

Réné Briat , Une grande demeure ressuscitée. L’Hôtel Beauharnais, in : Plaisir de France, 34e année, N° 353, Mars 1968, pp. 2-13.

Le style Empire, L’Hôtel Beauharnais à Paris, mit einem Vorwort von Édouard Driault, hrsg. von Éditions Albert Morancé, Paris 1927.

Le deuil d’Enquin, Le Palais Beauharnais et la Chambre de la Reine Hortense (Ambassaded’Allemagne à Paris), in: Revue des études napoléoniennes, 1915, I, pp.168-187.

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