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Frankreich: Kultur, Bildung und Forschung

26.08.2019 - Artikel

Frankreich gehört zu den führenden Kulturnationen der Welt. Kunst und Kultur genießen hohe Wertschätzung und werden mit erheblichen öffentlichen Beträgen unterstützt. In Paris wie in den Regionen ist das Angebot überwältigend. Dies gilt für traditionelle künstlerische Ausdrucksformen ebenso wie für zeitgenössische Beiträge.

Besonderes Augenmerk gilt auch dem Erhalt des reichen kulturellen und historischen Erbes. Daneben bleibt die weltweite Förderung der französischen Sprache ein zentrales Anliegen.

Der kulturelle Austausch mit dem Ausland, insbesondere mit Deutschland, ist rege. Viele junge französische Künstler finden den Weg vor allem in die vielfältige Szene Berlins.

Weltweit gehört Frankreich zu den führenden Wissenschafts-, Forschungs- und Innovationsstandorten. Auf allen Ebenen in Wissenschaft und Forschung gibt es eine sehr intensive Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich. Jedes Jahr verbringen Tausende von Deutschen und Franzosen Studien- und Forschungsaufenthalte im jeweils anderen Land.

Bildungswesen

Ein unentgeltliches öffentliches Bildungswesen ist in Frankreich verfassungsmäßig verankert. Traditionell dominiert ein ganztägiges Gesamtschulsystem, vom Bildungsministerium in Paris zentral verantwortet. Daneben behaupten sich Privatschulen mit Erfolg. Diese stehen zum Großteil unter konfessioneller Trägerschaft, verfolgen in ihren Lehrplänen jedoch ebenfalls das Prinzip des Laizismus.

Schulsystem: Ab dem dritten Lebensjahr gibt es in Frankreich die staatliche Vorschule (école maternelle), die ab dem Schuljahr 2019/2020 verpflichtend wird. Mit sechs Jahren beginnt die Grundschule (école primaire oder élémentaire, 5 Jahre), gefolgt von einer einheitlichen Mittelstufe (collège, 4 Jahre). Danach besteht die Wahl zwischen berufsbildenden Schulen (lycées professionnels, 2-4 Jahre) oder dem allgemeinbildenden Gymnasium (lycée, 3 Jahre). Mit der Abschlussprüfung des Gymnasiums (baccalauréat) nach 12 Jahren wird in Frankreich die allgemeine Hochschulreife erworben. Die Abiturquote (einschließlich berufsbildender und technischer Gymnasien) liegt bei über 80 Prozent. Die 2018 angekündigte Reform des baccalauréat zeigt eine strukturelle Annäherung an den europäischen Standard.

Für die berufliche Bildung sind in erster Linie die berufsbildenden Gymnasien (lycées professionnels) zuständig, Unterricht und praktische Ausbildungsteile von einigen Wochen wechseln sich ab. Der Abschluss erfolgt nach drei Jahren mit einem baccalauréat professionnel, welcher zur Aufnahme eines Studiums berechtigt. Des Weiteren kann nach zwei Jahren ein sogenannter Zwischenabschluss (diplôme intermédiaire) erlangt werden, entweder das brevet d'études professionnelles (BEP) oder das certificat d'aptitude professionnelle (CAP). Neben diesen Ausbildungsgängen wird auch ein duales zwei- bis dreijähriges Ausbildungssystem (vergleichbar einer Lehre im deutschen Berufsschulwesen) mit einer Kombination von theoretischem Unterricht in speziellen Ausbildungszentren (centres de formation d'apprentis - CFA) und praktischer Ausbildung in Betrieben angeboten, das ebenfalls zu einem CAP-Abschluss führt. Dieser Weg wird aktuell besonders im Rahmen von Maßnahmen zur Bekämpfung der Jugendarbeitslosigkeit gefördert.

Hochschule und Forschung

Das französische Hochschulsystem ist durch Universitäten einerseits und die Grandes Écoles andererseits gekennzeichnet. Die Universitätslandschaft folgt einem kontinuierlichen Bündelungsprozess, um die wissenschaftliche Exzellenz und internationale Sichtbarkeit und Attraktivität der Hochschulen weiter zu steigern. Frankreich engagiert sich auch mit besonderem Erfolg beim Aufbau Europäischer Hochschulen. Die Grandes Écoles sind sehr selektive Einrichtungen mit anspruchsvollen Aufnahmeprüfungen (concours). Die Führungseliten des Landes in Politik, Wirtschaft und Verwaltung rekrutieren sich weitgehend aus diesen Grandes Écoles.

2018 wurde mit der Hochschulzugangsreform das neue Studienplatzvergabesystem Parcoursup eingeführt, um die Vergabe von Studienplätzen transparenter zu gestalten und Fehlentwicklungen wie zum Beispiel hohe Studienabbruchquoten oder die Vergabe von Studienplätzen im Losverfahren zu beseitigen. Seither konnten die Vermittlungsquoten gesteigert werden.

Ein besonderes Kennzeichen des französischen Forschungssystems ist die starke außeruniversitäre Forschung und hier die Schlüsselrolle des staatlichen Forschungszentrums Centre national de la recherche scientifique (CNRS), das mit über 11.000 Wissenschaftlern alle Fachrichtungen abdeckt. Neben dem CNRS gibt es große spezialisierte Zentren der Spitzenforschung, die Projektförderagentur Agence nationale de la recherche (ANR) und herausragende forschungsstarke Hochschulen.

Auf der forschungspolitischen Agenda Frankreichs steht unter anderem die Künstliche Intelligenz (KI) ganz oben. Weitere zentrale Ziele der Forschungs- und Innovationspolitik sind die Förderung von Sprunginnovationen, die engere Verflechtung von öffentlicher und privater Forschung und der Ausbau der Infrastrukturen, um Frankreich zu einer „Start-up-Nation“ werden zu lassen. 

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