Willkommen auf den Seiten des Auswärtigen Amts

Frankreich: Beziehungen zu Deutschland

25.08.2019 - Artikel

Politische Beziehungen

Frankreich ist Deutschlands engster und wichtigster Partner in Europa. Mit keinem anderen Land gibt es eine so regelmäßige und intensive Abstimmung auf allen Ebenen und in allen Politikbereichen.

Höhepunkte der bilateralen Beziehungen in den vergangenen Jahrzehnten::

  • der von Staatspräsident de Gaulle und Bundeskanzler Adenauer unterzeichnete Vertrag über die deutsch-französische Zusammenarbeit vom 22. Januar 1963 („Ely­sée-Vertrag“);
  • der historische Händedruck von Staatspräsident Mitterrand und Bundeskanzler Kohl 1984 über den Gräbern von Verdun;
  • die erstmalige Einladung eines deutschen Bundeskanzlers, Gerhard Schröder, zum Gedenkakt am Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie am 4. Juni 2004;
  • die Teilnahme von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel an den Feierlichkeiten zur Erinnerung an das Ende des Ersten Weltkrieges unter dem Arc de Triomphe in Paris am 11. November 2009 sowie an dem Gedenkakt zum 70. Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 2014;
  • die Jubiläumsfeier zum 50. Jahrestag des Élysée-Vertrags in Berlin am 22. Januar 2013, u.a. mit einer gemeinsamen Sitzung des Deutsch-Französischen Ministerrates, Verabschiedung der „Berliner Erklärung“ sowie gemeinsamer Sitzung des Deutschen Bundestages und der Assemblée Nationale;

  • der Staatsbesuch von Bundespräsident Joachim Gauck in Frankreich im September 2013 mit gemeinsamem Besuch von Staatspräsident François Hollande und Bundespräsident Gauck in Oradour-sur-Glane in Gedenken an ein Massaker der SS an der Zivilbevölkerung im Jahr 1943;

  • am 3. August 2014 das gemeinsame Gedenken an den Beginn des Ersten Weltkriegs von Bundespräsident Gauck und Staatspräsident Hollande am Hartmannsweilerkopf im Elsass;

  • am 10. November 2018 das gemeinsame Gedenken von Staatspräsident Emmanuel Macron und Bundeskanzlerin Merkel an das Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren am Ort des Waffenstillstands nahe der nordfranzösischen Stadt Compiègne und die Teilnahme der Bundeskanzlerin an den Gedenkfeierlichkeiten in Paris;

  • am 22. Januar 2019 die Unterzeichnung des Vertrags von Aachen. Der Vertrag hebt die deutsch-französische Freundschaft und Partnerschaft auf eine neue Stufe und richtet die bilateralen Beziehungen mit Blick auf die Zukunft neu aus.

Ausgewählte Institutionen und Kooperationen

Zu den wichtigsten Institutionen und Kooperationen der bilateralen Beziehungen zwischen Deutschland und Frankreich zählen:

  • das Deutsch-Französische Jugendwerk (seit 1963, ca. 8 Mio. Teilnehmerinnen und Teilnehmer an verschiedenen Programmen);

  • institutionelle Kooperationen im Wissenschaftsbereich wie die Deutsch-Französische Hochschule (ein Netzwerk integrierter Studiengänge mit Doppelabschluss), das Deutsche Historische Institut Paris, das Deutsche Forum für Kunstgeschichte sowie über 60 DAAD-Lektorate in Frankreich;

  • der gemeinsame Fernsehsender ARTE;

  • der Luft- und Raumfahrtkonzern (AIRBUS Group);

  • der Deutsch-Französische Integrationsrat (DFIR), dessen Gründung beim 18. Deutsch-Französischen Ministerrat am 7. April 2016 vereinbart wurde. Die Mitglieder des Rates pflegen einen regelmäßigen und intensiven Austausch zu den jeweiligen Erfahrungen bei der Integration von Menschen mit Fluchtschicksal und Migrationsgeschichte.

  • der Deutsch-Französische Kulturrat;

  • das Deutsch-Französische Büro für die Energiewende (bis 2016: Deutsch-Französisches Büro für erneuerbare Energien, gegründet 2006)

  • das Institut Saint-Louis (ISL, seit 1958 Grundlagenforschung sowie wissenschaftliche Untersuchungen und grundlegende Vorentwicklungen für Verteidigung und Sicherheit)

  • das Deutsch-Französische Sekretariat für den Austausch in der beruflichen Bildung (seit der Gründung 1980 mehr als 95.000 Teilnehmende an Austauschprogrammen).

Die enge Zusammenarbeit gründet sich auf ein zivilgesellschaftliches Netzwerk aus circa 300 deutsch-französischen Vereinigungen, 22 Regional- und 2200 Städtepartnerschaften, circa 4300 Schulpartnerschaften sowie circa 40 Partnerschaften deutscher und französischer Schulen mit bilingualen Zweigen. Daraus haben sich bemerkenswert vielfältige und intensive Formen der Zusammenarbeit entwickelt.

Heute stehen zunehmend die Europapolitik sowie die gemeinsame Haltung zu Fragen der internationalen Sicherheit im Vordergrund der deutsch-französischen Zusammenarbeit.

Regierungszusammenarbeit

Die deutsch-französische Zusammenarbeit geht einher mit einer engen Einbindung der europäischen Partnerstaaten. Es zeigt sich immer wieder, dass im europäischen Kontext Fortschritte vor allem dann erzielt werden können, wenn Deutschland und Frankreich Kompromisse suchen und davon ausgehend an einem Strang ziehen („deutsch-französischer Motor“). Diese Abstimmung erfolgt in bilateralen Gesprächen auf hoher und höchster Ebene, etwa bei regelmäßigen Regierungskonsultationen, wie u.a.

  • der Deutsch-Französischer Ministerrat: Beide Regierungen kommen jährlich zu Konsultationen zusammen, immer im Wechsel in Frankreich und Deutschland.
  • der Deutsch-Französische Finanz- und Wirtschaftsrat: Wurde 1988 in einem Zusatzprotokoll zum Elysée-Vertrag ins Leben gerufen. Ihm gehören die Finanz- und Wirtschaftsminister sowie Zentralbankpräsidenten beider Staaten an. Die Treffen finden viermal jährlich statt (zweimal auf Minister-, zweimal auf Staatssekretärsebene).
  • Der Deutsch-Französische Sicherheits- und Verteidigungsrat.
  • Die enge Zusammenarbeit der beiden Beauftragten für die deutsch-französischen Beziehungen, Staatsminister Roth und Staatssekretärin de Montchalin.
  • Der enge Austausch des Bevollmächtigten der Bundesrepublik Deutschland für kulturelle Beziehungen zu Frankreich, seit 01.01.2019 Ministerpräsident Armin Laschet, mit seinem Gegenüber, Kulturminister Franck Riester.

Parlamentszusammenarbeit

Zu den bilateralen parlamentarischen Kontakten gehören u.a.:

  • die Deutsch-Französische Parlamentarische Versammlung, die sich aus je 50 Abgeordneten der beiden Parlamente zusammensetzt und sich am 25. März 2019 in Paris konstituiert hat. Auch der Bundesrat und der französische Senat haben am 19.03.2019 eine gemeinsame Erklärung zur Vertiefung der gemeinsamen Beziehungen verabschiedet.
  • gemeinsame Arbeitssitzungen der Auswärtigen Ausschüsse des Bundestages und der Assemblée Nationale sowie der Europaausschüsse (sowohl von Bundestag und Assemblée Nationale als auch von Bundesrat und Senat);
  • ein jährliches Parlamentarier-Kolloquium Paris-Berlin;
  • ein regelmäßiger Meinungsaustausch zwischen deutschen und französischen Parteien;
  • jährliche Treffen der Präsidien des Bundestags und der Nationalversammlung;
  • die regelmäßigen Treffen der Freundschaftsgruppen in Bundesrat, Bundestag, Senat und Nationalversammlung;
  • gegenseitige Kurz-Hospitationen von Abgeordneten beider Staaten;
  • der jährlich verliehene deutsch-französische Parlamentspreis für eine wissenschaftliche Arbeit im Kontext der bilateralen Beziehungen;
  • gemeinsame Sitzung des Deutschen Bundestags und der französischen Nationalversammlung, zuletzt im Januar 2018.

Zusammenarbeit der Bundesländer und der französischen Regionen

Die Zusammenarbeit auf Ebene der Bundesregierung und des Bundestags und Bundesrats wird ergänzt durch Abstimmung und gemeinsame Vorhaben auf Länderebene.

Wichtige Maßnahmen dabei sind:

  • die Verbesserung der Sprachkenntnisse und des Wissens über die Kultur des Anderen,
  • die Verstärkung der Mobilität von Arbeitskräften,
  • die Einrichtung grenzüberschreitender Ausbildungsgänge in der beruflichen Bildung,
  • Projekte zur Vernetzung von Unternehmen, Universitäten und Forschungseinrichtungen:

Entlang der deutsch-französischen Grenze kooperieren außerdem grenznahe deutsche und französische Regionen im Rahmen der „Grenzüberschreitenden Zusammenarbeit“ sehr eng miteinander. Wichtige Akteure hierbei sind:

  • die Oberrheinkonferenz
  • die Trinationale Metropolregion Oberrhein
  • die fünf deutsch-französischen Eurodistrikte.

Zusammenarbeit in der Sicherheits- und Verteidigungspolitik

Die sicherheitspolitische Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich ist sehr eng. Wichtige Beispiele der Zusammenarbeit sind folgende:

  • die gemeinsame deutsch-französische Brigade ist Symbol für den Willen beider Länder zur militärpolitischen Kooperation und wird - zusammen mit dem Eurokorps – als Nukleus für europäische Streitkräfte im Rahmen der Gemeinsamen Sicherheits- und Verteidigungspolitik (GSVP) betrachtet.
  • die wechselseitige Ausbildung an den Schulen, Akademien und Universitäten der Bundeswehr und der französischen Streitkräfte.
  • der Einsatz von Austauschoffizieren auf Ebene des Verteidigungsministeriums, in Kommandobehörden und in vielen Verbänden der jeweils anderen Streitkräfte. 
  • Gemeinsame Operationen setzen ein Zeichen für die enge deutsch-französische Kooperation und für die Weiterentwicklung der gemeinsamen europäische Außen- und Sicherheitspolitik.
  • Der Vertrag von Aachen 2019 sieht die Neuausrichtung des deutsch-französischen Verteidigungs- und Sicherheitsrats als politisches Steuerungsorgan vor.

Bilaterale Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland und Frankreich bleiben füreinander die wichtigsten Handelspartner in Europa:

  • Handelsvolumen mit Frankreich (Exporte und Importe) belief sich 2018 auf insgesamt 170,5 Milliarden Euro (Germany Trade & Invest).

Frankreich ist zweitgrößter Handelspartner für Deutschland, Deutschland größter Handelspartner für Frankreich. Das Interesse an bilateralem Austausch und Zusammenarbeit im wirtschaftlichen Bereich zeigt sich auch an der Vielzahl gemeinsamer Aktivitäten und Netzwerke, u.a. der jährliche Gedankenaustausch der Chefs der größten börsennotierten Unternehmen aus Frankreich und Deutschland in Evian.

Kulturelle Beziehungen

Der deutsch-französische Kulturaustausch ist auf allen Gebieten (Theater, Musik, bildende Kunst, Literatur, Film, Museen) eng und vielfältig. Insbesondere Berlin und Paris ziehen zahlreiche Kunstschaffende aus dem anderen Land an. Die engen Beziehungen manifestieren sich in einer Vielzahl von Einrichtungen und Programmen:

  • Der Deutsch-Französische Kulturrat (DFKR) trifft sich zweimal jährlich und hat das Ziel, die Zusammenarbeit beider Länder im kulturellen Bereich zu fördern und eine „Durchdringung der Kulturen“ zu befördern.
  • Vernetzung von Schulen und Universitäten (Anerkennung von Abschlüssen, binationale Examen, Partnerschaften, Hochschulbörse „Deutsch-französisches Forum“ (Straßburg), etc.).
  • Die Deutsch-Französische Hochschule (DFH) ist ein Verbund von Mitgliedshochschulen aus Deutschland und Frankreich. Sie bietet binationale Studiengänge mit Doppelabschluss sowie Doktoranden- und Forschungsprogramme. Derzeit sind über 6.000 Studierende unter dem Dach der DFH eingeschrieben.
  • Im Jugendaustausch ist das Deutsch-Französische Jugendwerk mit jährlich etwa 200.000 Teilnehmenden der zentrale Akteur.
  • deutsch-französischen Schulen in Berlin, Saarbrücken und in Freiburg sowie in Frankreich (Lycée franco-allemand in Buc bei Versailles, dt. Schulen in Saint Cloud bei Paris und in Toulouse).
  • Gemeinsame Schulabschlüsse: Seit 1994 können Schülerinnen und Schüler das Baccalauréat und das Abitur in der AbiBac-Prüfung an Schulen in Frankreich und Deutschland gleichzeitig erwerben und erlangen damit sowohl im eigenen Land als auch im Partnerland eine Hochschulzugangsberechtigung sowie Zugang zu Ausbildung und Berufstätigkeit. Auch das „Baccalauréat à option internationale“ OIB ist ein binationaler Schulabschluss, der an den deutschen Abteilungen von sechs Schulen in Frankreich abgelegt wird.
  • Der zweisprachig ausstrahlende deutsch-französische Fernsehsender ARTE ergänzt im Medienbereich das Sprach- und Kulturangebot.

Weitere Informationen

nach oben